Aktuell studiere ich berufsbegleitend den Masterstudiengang Speech Communication and Rhetoric an der Universität Regensburg. Nach zahlreichen Seminarwochenenden in Regensburg bin ich inzwischen in der letzten und vermutlich intensivsten Phase angekommen: Ich schreibe meine Masterarbeit.
Der Studiengang beschäftigt sich mit unterschiedlichen Bereichen der Kommunikation – von Stimme und Sprechen über Rede- und Gesprächsrhetorik bis hin zu Führungskommunikation und der Konzeption von Trainings. Durch den praktischen Fokus lässt sich die Wissenschaft auf konkrete berufliche Situationen übertragen. Dabei geht es immer wieder um Fragen, die mich auch in meiner Arbeit beschäftigen:
Wie entsteht Vertrauen in Gesprächen? Was macht Kommunikation klar und zugleich wertschätzend? Wie können Führungskräfte schwierige Themen ansprechen? Und warum bewirken manche gut gemeinten Worte manchmal genau das Gegenteil?
Warum noch ein Masterstudium?
In meiner Arbeit beschäftige ich mich schon lange mit Stimme, Auftreten und Kommunikation. Dabei erlebe ich immer wieder, wie stark die Art unseres Sprechens berufliche Situationen beeinflusst.
Kommunikation entscheidet mit darüber, ob Menschen sich beteiligen, ob Konflikte geklärt werden und ob aus unterschiedlichen Perspektiven eine gemeinsame Lösung entstehen kann. Gleichzeitig geht es dabei nie nur um die richtigen Worte. Stimme, Körpersprache und die jeweilige Situation sprechen schließlich immer mit – ob wir möchten oder nicht.
Mit dem Masterstudium wollte ich meine praktische Arbeit stärker wissenschaftlich fundieren und gleichzeitig meinen Blick erweitern: von der individuellen Stimme hin zur Kommunikation in Teams und Organisationen.
Wie entsteht eine Gesprächskultur? Was brauchen Menschen, um auch Unsicherheiten und kritische Beobachtungen auszusprechen? Und wie können Kommunikationstrainings so gestaltet werden, dass sie nicht nur für einen motivierten Nachmittag sorgen, sondern tatsächlich etwas im Arbeitsalltag verändern?
Das Studium hat mir dafür viele neue Perspektiven eröffnet. Manche Erfahrungen aus der Praxis konnte ich durch wissenschaftliche Modelle besser einordnen. Andere Annahmen durfte ich noch einmal gründlich hinterfragen. Eine freundliche Umschreibung dafür, dass ich mich gelegentlich auch von lieb gewonnenen Überzeugungen verabschieden musste.
Berufsbegleitend eine Masterarbeit schreiben
Ein berufsbegleitendes Studium erfordert Organisation. Eine berufsbegleitende Masterarbeit erfordert Organisation, Disziplin und eine gewisse Zuneigung zu langen Abenden am Schreibtisch.
Während des Studiums geben Seminare, Abgaben und Prüfungstermine einen festen Rhythmus vor. Beim Schreiben der Masterarbeit muss ich diesen Rhythmus wesentlich stärker selbst gestalten.
Literaturrecherche, Lesen, Denken und Schreiben finden häufig am Abend oder am Wochenende statt. Nicht jeder dieser Termine mit mir selbst ist gleichermaßen produktiv.
An manchen Tagen entsteht innerhalb kurzer Zeit ein ganzer Abschnitt. An anderen Tagen verbringe ich erstaunlich viel Zeit mit einem einzigen Abschnitt – nur um ihn am nächsten Morgen wieder zu löschen. Auch das gehört offenbar zum wissenschaftlichen Arbeiten.
Diese Phase ist herausfordernd. Gleichzeitig empfinde ich sie als große Bereicherung.
Im Berufsalltag müssen viele Fragen schnell beantwortet und Aufgaben zügig erledigt werden. In einer wissenschaftlichen Arbeit darf – und muss – ich genauer hinschauen: Begriffe klären, verschiedene Perspektiven vergleichen, Widersprüche aushalten und vermeintlich eindeutige Antworten hinterfragen.
Mich über mehrere Monate so intensiv in ein Thema einarbeiten zu können, empfinde ich deshalb trotz aller Anstrengung als sehr bereichernd.
Mein Masterarbeitsthema: positive Fehlerkultur im Change Management
Besonders glücklich bin ich darüber, ein Thema gefunden zu haben, das wissenschaftlich spannend und gleichzeitig sehr nah an der betrieblichen Praxis ist.
In meiner Masterarbeit beschäftige ich mich mit der Frage, wie eine positive Fehlerkultur im Change Management klein- und mittelständischer Unternehmen gefördert werden kann.
Veränderungen gehören in vielen Unternehmen längst zum Alltag. Neue Technologien werden eingeführt, Prozesse angepasst, Zuständigkeiten verändert oder neue Formen der Zusammenarbeit erprobt.
Dabei müssen Menschen vertraute Routinen verlassen und neue Arbeitsweisen ausprobieren. Dass in solchen Situationen nicht alles sofort reibungslos funktioniert, dürfte niemanden überraschen. Trotzdem werden Fehler in Unternehmen häufig noch immer als persönliches Versagen behandelt.
Mich interessiert deshalb nicht, ob Fehler passieren, diese Frage kann man sehr leicht mit „Ja“ beantworten. Mich interessiert vor allem, wie anschließend mit ihnen umgegangen wird.
Können Mitarbeitende Probleme offen ansprechen? Werden Unsicherheiten ernst genommen? Suchen Teams gemeinsam nach Ursachen und Verbesserungsmöglichkeiten? Oder beginnt nach einem Fehler zunächst die Suche nach einer Person, die möglichst überzeugend schuld sein könnte?
Gerade in Veränderungsprozessen ist eine offene Fehlerkommunikation besonders wichtig. Wenn Unternehmen neue Abläufe ausprobieren, benötigen sie Rückmeldungen aus der Praxis. Fehler, Schwierigkeiten und unerwartete Ergebnisse liefern wertvolle Hinweise darauf, wo nachgebessert werden muss.
Werden diese Beobachtungen aus Angst vor negativen Reaktionen verschwiegen, fehlt eine wichtige Grundlage für gemeinsames Lernen.
An diesem Punkt treffen viele Themen aufeinander, die mich schon lange beschäftigen: Kommunikation, Führung, Lernen, Veränderung und Unternehmenskultur.
Eine Fehlerkultur zeigt sich schließlich nicht nur in Leitbildern oder in dem Satz: „Fehler sind Lernchancen.“ Sie zeigt sich in den Strukturen, die diese Lernchancen ermöglich und auch in der ersten Reaktion, wenn tatsächlich etwas schiefgegangen ist.
Wie reagiert eine Führungskraft auf eine schlechte Nachricht? Wie wird Feedback formuliert? Gibt es überhaupt Formate in denen Feedback Raum findet? Dürfen Mitarbeitende widersprechen, nachfragen oder eigene Unsicherheiten zeigen? Und wird ein Fehler als Anlass zum Lernen genutzt – oder möglichst schnell unter den sprichwörtlichen Teppich gekehrt?
Genau diese Verbindung von Kommunikation und organisationaler Veränderung macht das Thema für mich so interessant.
Es knüpft an meine bisherige Arbeit mit Stimme und Kommunikation an und erweitert sie um eine neue Perspektive: die Frage, wie Kommunikation nicht nur einzelne Gespräche, sondern auch die Kultur eines Unternehmens prägt.
Deshalb freue ich mich trotz langer Abende, wachsender Literaturlisten und einer auffällig engen Beziehung zu meinem Laptop darauf, mich noch tiefer in dieses wichtige Thema einzuarbeiten.


